XIV Mäßigkeit

XIV – Die Mäßigkeit

Die Mäßigkeit zeigt eine geflügelte Gestalt in einem hellen, schlichten Gewand. Die großen roten Flügel und die gesamte Erscheinung verleihen ihr etwas Heiliges und Übergeordnetes. Auf der Brust befindet sich ein auffälliges Dreieck.

Die Gestalt steht teilweise im Wasser, während sich hinter ihr eine grüne Landschaft erstreckt. Ein Weg führt durch diese Landschaft zwischen den Bergen hindurch in Richtung des hellen Lichts am Horizont. Am Ufer wachsen Schwertlilien. Die gesamte Umgebung ist ruhig und klar gestaltet.

Im Mittelpunkt der Karte steht jedoch eine sehr einfache und konkrete Handlung: Die Gestalt hält zwei Kelche und gießt Flüssigkeit aus einem Kelch in den anderen.

Die beiden Kelche

Die Karte zeigt einen einzelnen Augenblick des Umfüllens. Ob die Flüssigkeit anschließend wieder zurückgegossen wird, ist nicht dargestellt. Die Anordnung der beiden Kelche lässt diese Möglichkeit zwar entstehen, sichtbar ist jedoch zunächst nur die Bewegung von einem Gefäß in das andere.

Gerade darin zeigt sich das Thema der Karte unmittelbar: das Maß.

Ein Gefäß besitzt ein bestimmtes Fassungsvermögen. Es kann nur die Menge aufnehmen, für die es Raum bietet. Wird Flüssigkeit hineingegossen, bestimmt damit das Gefäß selbst, wie viel es fassen kann.

Für diese Aussage braucht es keine Annahme, dass sich unterschiedliche Flüssigkeiten miteinander vermischen. Auch eine komplizierte symbolische Handlung ist nicht erforderlich. Das Bild zeigt ganz unmittelbar den Umgang mit einer vorhandenen Menge und einem vorhandenen Fassungsvermögen.

Die Bedeutung der Mäßigkeit

Mäßigkeit bedeutet in dieser Darstellung, das Maß dessen zu beachten, was aufgenommen werden kann. Der Kelch setzt die Grenze durch sein eigenes Fassungsvermögen.

Da der Kelch für das Gefühl steht, findet diese Handlung zugleich innerhalb der Gefühlsebene statt. Zwei Kelche stehen miteinander in Beziehung, während ihr Inhalt übertragen wird. Entscheidend bleibt dabei das Maß, das durch das jeweilige Gefäß gegeben ist.

Der Engel, das Wasser, die Landschaft und der Weg zum Licht geben diesem einfachen Vorgang einen besonderen, beinahe heiligen Rahmen. Im Zentrum bleibt dennoch die ganz konkrete Handlung des Umfüllens.

Kernaussage

Die Mäßigkeit steht für das Maß. Ein Gefäß kann nur so viel aufnehmen, wie es fassen kann. Die Karte zeigt den bewussten Umgang mit diesem gegebenen Fassungsvermögen: Flüssigkeit wird von einem Kelch in den anderen übertragen, und das Gefäß selbst bestimmt das Maß.

Kurz gefasst:

Das Gefäß gibt das Maß vor.

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