XIII Tod

XIII – Der Tod

Der Tod gehört zu den bildgewaltigsten Karten der Großen Arkana. Die Szene wirkt zunächst beinahe chaotisch und unübersichtlich. Im Vordergrund zieht der Tod als Skelett in schwarzer Rüstung auf einem weißen Pferd durch die Landschaft. In seiner Hand trägt er eine schwarze Fahne mit einer großen weißen Rose. Schwarz und Weiß stehen dabei unmittelbar nebeneinander und prägen die gesamte Erscheinung des Reiters.

Das weiße Pferd schreitet ruhig durch die Szene. Auffällig ist sein kleines rotes Auge, das sich deutlich von seinem ansonsten weißen Kopf abhebt. Auch die rötlich-rosa Satteldecke bringt Farbe in die schwarz-weiße Erscheinung des Todes.

Vor dem Reiter befinden sich Menschen, die ihm auf unterschiedliche Weise begegnen. Ein König liegt bereits am Boden. Seine Krone ist von seinem Kopf gefallen. Seine weltliche Macht hat angesichts des Todes ihre Bedeutung verloren.

Dem Reiter gegenüber steht ein Geistlicher in leuchtend gelber Kleidung. Seine Hände sind gefaltet, während sein goldener Krummstab am Boden liegt. Auch er hat damit sein sichtbares Macht- und Amtssymbol aus der Hand gegeben. Seine Haltung wirkt bittend. Dabei entsteht der Eindruck, dass seine Bitte möglicherweise nicht ihm selbst gilt, sondern der knienden Frau und dem Kind bei ihm. Er scheint um Gnade oder Verschonung für sie zu bitten.

Die Frau begegnet dem Geschehen wiederum anders. Sie kniet, senkt den Kopf und wendet ihr Gesicht vom Reiter ab. Ihre Haltung wirkt wie ein Ausharren und Sich-Ergeben in das Kommende. Sie bleibt an ihrem Platz und erwartet ihr Schicksal.

Das Kind erscheint dagegen noch vergleichsweise unbefangen. Es ist lebendig, aufgerichtet und schaut zum Reiter hinauf. Die Schwere, mit der die Erwachsenen dem Tod begegnen, scheint in seiner Haltung kaum vorhanden zu sein.

So zeigt die Karte verschiedene Formen der Begegnung mit einem unausweichlichen Geschehen: Der König ist ihm bereits erlegen, der Geistliche bittet, die Frau ergibt sich dem Kommenden und das Kind betrachtet es noch unbefangen. Der Tod selbst setzt seinen Weg fort.

Besonders auffällig ist der Gegensatz zwischen Vordergrund und Hintergrund. Während sich vorne das unmittelbare Geschehen des Todes abspielt, öffnet sich dahinter eine vollkommen andere Bildebene.

Dort liegt das Wasser, auf dem ein Schiff fährt. Das Schiff kann als Sinnbild einer Reise oder Überfahrt verstanden werden. Damit erscheint das Wasser als Übergangsraum zwischen verschiedenen Zuständen. Die ungewöhnliche, beinahe surreale Darstellung dieser Wasserfläche verstärkt den Eindruck, dass hier eine Grenze beziehungsweise ein Übergang gezeigt wird.

Jenseits des Wassers stehen zwei Türme, zwischen denen eine überaus strahlende gelbe Sonne am Horizont erscheint. Die beiden Türme wirken dabei fast wie ein Tor, während das Licht zwischen ihnen hervorbricht. Die Sonne lässt sich als aufgehende Sonne lesen: Während im Vordergrund etwas endet, kündigt sich im Hintergrund bereits ein neuer Anfang an.

Dadurch entsteht eine klare Bewegung innerhalb der gesamten Bildsprache: Ende – Übergang – Tor – Licht.

Der Tod erscheint damit als eine Kraft des unausweichlichen Wandels. Ein bestehender Zustand hat seine Zeit erfüllt und endet. Äußere Macht, gesellschaftliche Stellung und persönliche Reaktion können diesen Vorgang nicht aufhalten. Doch das Ende ist innerhalb der Karte nicht das Letzte, was sichtbar wird. Hinter ihm befinden sich Wasser, Überfahrt und schließlich das strahlende Licht.

Der Tod steht für das Ende eines bestehenden Zustandes und den Übergang in einen neuen. Was seine Zeit erfüllt hat, vergeht. Der Übergang führt durch das Unbekannte – und dahinter öffnet sich bereits das Licht eines neuen Anfangs.

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