Die Sechs der Schwerter
Die Sechs der Schwerter zeigt eine Überfahrt. Eine verhüllte Frau und ein Kind sitzen in einem Boot, während ein Fährmann sie über das Wasser bringt. Das Woher bleibt verborgen. Das Bild zeigt keinen Ausgangsort und erzählt damit auch nicht, was dort geschehen ist. Sichtbar ist allein die gegenwärtige Bewegung und die Richtung, in die sie führt. In der Ferne liegt bereits das andere Ufer.
Der Fährmann erfüllt dabei eine klare Funktion: Er überführt. Er steht aufrecht im hinteren Teil des Bootes und führt die beiden Reisenden über das Wasser. Seine Rolle liegt in der Überfahrt selbst.
Besonders auffällig sind die sechs Schwerter, die aufrecht im Boot stecken. Das Schwert steht für den Geist, die Gedanken, Vorstellungen und die geistige Wahrnehmung. Die Schwerter werden auf dieser Reise mitgenommen. Sie bleiben Bestandteil dessen, was sich im Boot befindet.
Ihre Anordnung ist dabei von Bedeutung. Im unmittelbaren Bereich der Frau stehen die Schwerter sehr dicht nebeneinander. Sie wirken beinahe wie eine Mauer, ein Zaun oder eine Begrenzung. Die Frau sitzt mitten in dieser Struktur. Symbolisch befindet sie sich damit inmitten ihrer Gedankenwelt, die um sie herum dicht und begrenzend erscheint.
Zum Kind hin verändert sich die Anordnung. Die Abstände zwischen den Schwertern werden größer, die Struktur wird lichter und durchlässiger. Zwischen den einzelnen Schwertern entsteht zunehmend Raum. Damit zeigt das Bild innerhalb derselben Gedankenebene unterschiedliche Grade von Dichte und Offenheit.
Auch die Haltung der Frau ist prägnant. Sie ist vollständig in ihren Mantel gehüllt, sitzt zusammengesunken und hält ihren Blick gesenkt. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich nach innen. Obwohl vor ihr eine Landschaft und das andere Ufer liegen, betrachtet sie diese nicht. Ihre Haltung vermittelt vor allem einen starken Eindruck: Sie möchte fort.
Das Kind befindet sich unmittelbar bei ihr und nimmt an derselben Überfahrt teil. Gleichzeitig sitzt es bereits in jenem Bereich, in dem die Schwerter weiter auseinanderstehen. Die Gedankenstruktur, die bei der Frau besonders dicht erscheint, beginnt sich in seiner Richtung zu öffnen.
Ein weiteres zentrales Element ist das Wasser. Seine Darstellung verändert sich deutlich innerhalb des Bildes. Auf der rechten Seite des Bootes ist es aufgewühlt und von sichtbaren Wellen geprägt. In der Richtung, in die die Reise führt, wird die Wasseroberfläche zunehmend ruhig und glatt. Da Wasser symbolisch mit Gefühl und innerem Erleben verbunden ist, zeigt die Karte auf dieser Ebene eine klare Bewegung: vom aufgewühlten zum ruhigen Wasser.
Das sichtbare Ufer gibt der Überfahrt eine Richtung. Während der Ausgangspunkt außerhalb des Bildes bleibt, ist das Ziel bereits angedeutet. Die Reisenden befinden sich also mitten in einem Vorgang, dessen Richtung erkennbar ist.
Die Sechs steht innerhalb der Zahlenfolge der Kleinen Arkana bereits jenseits der Mitte. Der Entwicklungsweg der Schwerter ist fortgeschritten und bewegt sich weiter in Richtung seiner Vollendung. Die Zahl ergänzt damit das Bild einer bereits stattfindenden Entwicklung, ohne dessen zentrale Symbolik zu überlagern.
Insgesamt zeigt die Sechs der Schwerter einen Übergang, der bereits im Gange ist. Die Frau wird mitsamt ihrer Gedanken übergesetzt. Ihre Gedanken sind präsent und bilden um sie herum eine dichte Struktur, die sich im weiteren Bild zunehmend öffnet. Gleichzeitig führt die Bewegung des Bootes aus aufgewühltem Wasser in ruhigere Gewässer und auf ein sichtbares Ufer zu.
Die Sechs der Schwerter beschreibt damit eine Überfahrt aus innerer Aufgewühltheit in ruhigere Gewässer, während die eigenen Gedanken mit auf die Reise gehen und sich der Raum innerhalb dieser Gedanken zunehmend öffnet.



